Sei dein eigener Dreisternekoch

Das gute an einer WordPress-Seite ist, dass man einfach beginnen kann. Ohne sich groß um das Design zu kümmern, um die Struktur und alles, was sonst noch so dazu gehört im modernen Tanz um Webseiten und Selbstdarstellung. Es ist, wie wenn man in den Laden geht und eine neue Kladde kauft, sie aufschlägt und loskritzelt. Alles, was nach der Installation des Blogs passiert, wird in einer Datenbank gespeichert und tabellarisch einsortiert. Das heißt, es wird im Prinzip erst einmal gesammelt und kategorisiert. Das schafft, auch wenn es der Anwender nicht sieht, eine grundlegende Ordnung, auf die der große Webseitenordner irgendwann, wenn er einmal Zeit und Lust hat, zugreifen kann. Das Aussehen des Inhalts möglichst schmackhaft zuzubereiten … vielleicht ist es, wie für einen Sternekoch einzukaufen: Du arbeitest die Einkaufsliste ab und kehrst mit einem Beutel voller Spezialitäten heim, wo sie erst einmal im Kühlhaus gelagert werden, bis man aus ihnen ein Menü kocht.

Dieser Eintrag ist Of-Topic. Denn eigentlich geht es im Europenner ja nicht ums Bloggen, sondern, najaaa, seit Jahren schon existiert diese Geschichte ungeschrieben im Kopf des Autors. Sie sollte eigentlich mal ein Roman werden, aber eben: das Leben hält ja so viele Ablenkungen vor und das Schreiben aufs Geratewohl hin, also ohne materielles Ziel, ist doch stets eine Sache, die man gerne unter der Rubrik “Werde-ich-irgendwann-einmal-machen” ablegt. Dann, wenn die Zeit reif ist. Seit zwanzig Jahren ist sie nicht reif.

Bis vor Kurzem war europenner.de noch eine Künstlerportfolio-Seite, aus Ermangelung an Inhalt mit ein paar Infos über Irgendlink aka Jürgen Rinck gefüllt. Diese Inhalte sind nun passé. Ein Serverumzug machte die Übernahme des alten Drupal-CMS zu kompliziert, so dass es mir einfacher schien, einfach neu zu beginnen.

Diesen Morgen nun überlegte ich, das nigelnagelneue Blog endlich einmal zu designen, ihm ein spartanisches, schneeweißes Layout zu verpassen mit ganz wenig Schnick-Schnack, wie sich dies für eine reine Text-Sammlung so gehört. So kam es zu dem Ausflug in die mannigfach gefüllte Themes -das sind Design-Vorlagen für WordPress – in die manngifach gefüllte Themes-Welt und wie das so ist, kommt man beim “Irgendwas-mit-Computer-schuften” vom Hundertsten ins Tausendste und recht schnell wurde mir klar, dass, wenn ich zuerst alles schön weiß gepinselt haben will und das neue Europenner-Blog bis auf den Pixel genau angepasst ist, ich lange warten muss, bis hier die ersten Inhalte entstehen. Bei Aufräumarbeiten im Irgendlink-Blog ist mir zudem klar geworden, wie flexibel das System ist und wie einfach es ist, auch wenn schon Inhalt da ist und eine Seite auf WordPress-Basis schon jahrelang in Betrieb ist, es sich doch nur um eine Ansammlung von Datenbankeinträgen handelt, die man nach Belieben neu sortieren kann.

Der verderbnisfreie Lebensmittelschrank der feinen Künste quasi, oder der Literatur? So genau will ich mich nicht festlegen. Ich stehe ja noch am Anfang. Das bedeutet: Du kannst einfach loslegen und du kannst tun und lassen, was du willst. Du kreierst schlimmstenfalls einen riesigen Lagerschrank voller unkategorisierter Texte, die niemanden interessieren. Aber du tust wenigstens etwas in die richtige Richtung.

Nun, da ich diese Zeilen tippe, fast wie früher als naiver kleiner Kunstbub auf Irgendlink, wird mir bewusst, wie wichtig es war, das Alte platt zu machen und etwas Neues zu beginnen. Europenner.de ist ein unbehauener Stein, an den ich mich endlich heran wage.

Das ist es vielleicht, was die letzten Jahre im Irgendlink-Blog gefehlt hat: der Mut, etwas Neues zu beginnen. Der Mut zur Ungewissheit, die Aufgabe der Kontrolle über etwas, was im eigenen Kopf wächst und diese légère “Den-Dingen-ihren-Lauf-lassen-Mentalität”.

Einfach machen.